In Kolumbien werden Badeurlauber von Panzern der Armee von und zum Strand begleitet, um zu demonstrieren, dass auch nachts das Land nicht den Guerilleros gehört. Der Staat muss mit Hilfe der bewaffneten Macht erzwingen, dass der öffentliche Raum, dort wo ihn Kriminelle und Terroristen gegen »Fremde« abschotten, wieder geöffnet wird. Und er muss dies eskalierend tun, nicht deeskalierend, um Zeichen zu setzen.
Warum kann man ausländischen Studierenden, die in Cottbus oder Dresden irgendwo feiern wollen, das aber aus Angst vor den Nazis nicht tun, keine Zivilbullen an die Hand geben, die gegebenenfalls auch gleich eine Einsatzhundertschaft herbeirufen können?
Warum kann man, wenn ein türkisch oder afrikanisch aussehender Bürger oder Ausländer sich nicht traut, mit seinem Sohn auf ein Ritterfest in Brandenburg zu gehen, ihn nicht unter bewaffneten Schutz durch die Polizei hineskortieren, am besten mit einem Hubschrauber?
Warum kann man bei einem Nazi-Konzert in irgend einer Dorfscheune nicht mal mit ein paar gepanzerten Sonderwagen und einem Dutzend Wannen anrücken und erst mal alle Anwesenden unter ordentlich Tränengaseinsatz festnehmen, statt mit den üblichen vier bis sechs Schutzpolizisten zu kommen, die meistens doch nur verschüchtert wieder abziehen? (Man kann dabei ja vielleicht »versehentlich« mit so einem Panzer durch die ein oder andere Wand der Scheune durchfahren ... man kann das danach ja offiziell missbilligen.)
Warum kann man an den berühmten ostdeutschen Berufsschulen, die von Nazis terrorisiert werden, nicht mal in jeden Klassenraum einen Polizisten aufstellen, der beim kleinsten dummen Spruch, beim kleinsten Nazisymbol an der Kleidung den Betreffenden handlich verpackt aufs Revier expediert, und das flächendeckend und über Wochen?
Warum kann man in oder neben einem von Nazis eingenommenen Dorf wie Jamel, über das neulich als von den Bürgern »aufgegeben« berichtet wurde, nicht mal fünfhundert Mann Bereitschaftspolizei stationieren?
Wenn man es nicht kann, sollte man sich überlegen, warum man es nicht kann und wie man dafür sorgen könnte, dass man es kann. Das Ganze muss dabei wohl der Bund erledigen, denn die Täter haben die stillschweigende oder offene Billigung durch Zivilgesellschaft, Kommunen und Länder.
Wir brauchen ein Little Rock. Am besten jede Woche eines, bis der Spuk aufhört, und wenn es zehn Jahre dauert.
Aber mit Schäuble wird das nicht passieren.