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zum horst

Es gibt Leute, die steif und fest überzeugt sind, ausnahmslos alle Kriege würden aus demselben Grund geführt. Auf der rechten Seite des politischen Spektrums wird als dieser Grund gerne Bevölkerungsdruck gesehen. Zwei der bekanntesten Werke, in denen diese Idee vertreten wird, sind »Mein Kampf« und "Starship Troopers".
Auf der linken Seite sind der Grund gerne »wirtschaftliche Interessen«. Ich erinnere mich an eine Diskussion mit zwei linken SupermarburgerInnen, die davon überzeugt waren, im Kosovo müsse es ja »irgendwas« geben, sonst hätte sich die NATO da nie eingemischt. Auch die These, in Afghanistan gäbe es »irgendwas«, hält sich hartnäckig, wenn auch der ehemalige UNO-Sonderbeauftragte dazu nur lapidar sagen kann, da gäbe es überhaupt nichts zu holen, und die Bodenschätze, von denen manchmal die Rede ist, für ein Land dieser Fläche nicht spektakulär groß sind.
Und dann kommt da tatsächlich ein Bundespräsident und sagt, dass »im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ, bei uns durch Handel Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern.« Den beiden Kneipen-KriegstheoretikerInnen ist das sicher Wasser auf ihre Mühlen.
Aber wie ist das denn nun? Sind das, was Köhler da meint, wirklich die »wirtschaftlichen Interessen« bzw. »Kapitalinteressen« der monokausalen Linken?
Der Bundeshorst spricht in dieser Interviewpassage ausschließlich von Interessen des Handels, nicht von denen der Industrie oder des Dienstleistungsgewerbes. Es geht darum, dass Handel sichere Wege braucht und stabile politische Verhältnisse, dass Deutschland hieran ein Interesse hat und diese Interessen auch militärisch durchsetzen kann und muss.
Handel ist, auch wenn das viele nicht glauben, der effektivste Kriegsverhinderer, den es gibt. Die Konflikte zwischen den USA und China oder Russland und Westeuropa, die regelmäßig für die Zukunft an die Wand gemalt werden, wird es solange nicht geben, wie zwischen diesen Partnern massiv gehandelt wird. Die angeblich unvermeidlichen Kriege um Wasser lassen seit Jahrzehnten auf sich warten; Wasserkonflikte führen nicht zu Kriegen, sondern sie werden in Tauschgeschäften beigelegt. Länder, die beide McDonald's-Filialen haben, führen in der Regel keine Kriege miteinander.
Solange Köhler wirklich nur die Sicherung des Freihandels gemeint hat und nicht, Zugänge zu Märkten oder Rohstoffen mit Gewalt herzustellen, hat er selbstverständlich Recht. Nicht nur Deutschland oder die Deutschen, sondern jeder einzelne Mensch hat ein Interesse daran, dass der weltweite Handel funktioniert. Die Durchsetzung dieses Interesses, durch Bekämpfung von Piraterie oder auch die Stabilisierung von Regionen, durch die Landrouten mit aktueller logistischer Bedeutung führen (ob der Afghanistaneinsatz hierunter fällt, ist meiner Meinung nach allerdings fraglich), ist simple Weltinnenpolitik.

Wenn auch der Rücktritt übertrieben war, halte ich Köhlers Entrüstung daher für durchaus berechtigt. Feststellen, dass gerade die Deutschen in hohem Maße von dem auch militärisch und paramilitärisch gestützten Zustand profitieren, dass der Welthandel überwiegend reibungslos läuft, und sich an dieser Stützung daran auch beteiligen mögen, ist etwas anderes als zu fordern, die Bundeswehr solle Krieg für Konzerne führen.
3.6.10 16:20
 



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